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Unterwegs

Der König des Reggae: Auf den Spuren von Kultstar Bob Marley in Jamaika

Sächsische Lotto-GmbH
30.05.2026
8 Minuten
Graffiti von Bob Marley mit Gitarre und Mikrofon an einer Wand
Foto: Im Water Lane Arts Project darf natürlich auch eine Wandmalerei Bob Marleys in seiner typischen Pose nicht fehlen. / Foto: Norbert Eisele-Hein

Der jamaikanische Sänger und Gitarrist Bob Marley gilt als erster Superstar, der aus einem Entwicklungsland stammend die Bühnen der ganzen Welt eroberte. Er starb 1981 im Alter von nur 36 Jahren in den USA und hatte ein viel zu kurzes, aber dafür umso intensiveres Leben. Das glüXmagazin hat sich in seinem Heimatland auf Spurensuche begeben.

Dass dieser schmächtige Junge, der noch in den 1960er-Jahren mit schickem Anzug, Fliege und Brillantine in den kurzgeschorenen Haaren vor einer Handvoll Leute auftrat, bereits in den 1970er-Jahren mit Schlabbershorts, Jeanshemd und wild wippenden Dreadlocks über die größten Bühnen der Welt wirbelte, gleicht einem Märchen“, erklärt Tourguide Susan Maxwell beim Blick auf alte Schwarzweiß-Bilder. Das Bob Marley Museum im Zentrum Kingstons, der Hauptstadt der Karibikinsel Jamaika, gleicht einem Tempel. Hier gibt es zuhauf goldene Schallplatten, Grammys, allerlei Utensilien aus der Musikwelt, zivile Verdienstorden und noch viel mehr zu sehen. Mit ihrem mitreißenden Enthusiasmus und jeder Menge karibischen Vibes taucht Tourguide Susan Maxwell gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern in das Leben Bob Marleys ein.


Anhand der Wandgemälde des Water Lane Arts Projects in Kingston erklären Guides die Musikgeschichte Jamaikas. / Foto: Norbert Eisele-Hein

So fing alles an

Weiter geht die Reise zum Kulturhofmuseum Culture Yard in Trench Town. „Wer das Phänomen Bob Marley verstehen will, muss zurück zu seinen Wurzeln“, referiert Guide Charlotte Skeen am Geburtsort des Reggae. „Robert Nesta Marley kam am 6. Februar 1945 in Nine Mile im Norden der Insel auf die Welt. Er brach mit 16 Jahren die Schule ab und machte eine Ausbildung zum Mechaniker. Er war noch ein Teenager, als er zu uns ins Quartier kam. Trench Town war damals ein sozialer Hexenkessel, aber auch das Epizentrum der Musik. 1963 gründeten Bob Marley und seine Freunde Neville Bunny Livingstone und Peter Macintosh die Band ‚The Wailing Wailers‘. Sie prägten den neu entstehenden Musikstil Reggae. Sie komponierten, spielten und verkauften Songs für zehn Pfund, die auf Platte gepresst wurden. Nachdem es noch kaum Radio auf Jamaika gab und sich auch niemand einen Plattenspieler leisten konnte, wurde die Musik auf Lastwagen mit riesigen Lautsprechern gegen eine Gebühr abgespielt. Allmählich wurden die Jungs zu lokalen Helden.

Bob Marley hatte anfangs weder eine begnadete Singstimme, noch war er ein guter Gitarrist. Aber er traf in Trench Town auf die richtigen Leute. Einer davon war Joe Higgs, der ihm beibrachte, Gitarre zu spielen. Zusammen mit Vincent Ford, einem weiteren Mentor, der dort eine Suppenküche für Jugendliche unterhielt, schrieb er Anfang der Siebziger eines Nachts den späteren Welthit „No woman, no cry“. Dieses Lied widmeten sie seiner Nachbarin Puncie, die nach einem Streit mit ihrem Mann Piper wieder einmal herzerweichend weinte.


Zu Beginn seiner Karriere ließ Bob Marley seine Schallplatten mit dieser alten Presse selbst produzieren. / Foto: Norbert Eisele-Hein

Ein bewegtes Leben

Im einstigen Wohnhaus von Bob Marley übernimmt die Einheimische Vanessa die Führung: „Bob Marley hatte alles andere als einen kometenhaften Aufstieg. In Trench Town musste er lernen, sich auf der Straße zu behaupten und erwarb sich den Ruf eines „Tuff Gong“, eines harten Straßenkämpfers. So nannte er später auch seine Plattenfirma und sein Tonstudio.“

Vanessa zeigt Bilder von der Hochzeit 1966 mit Rita Anderson. „Bob Marley hatte mindestens zwölf Kinder, inner- und außerhalb der Ehe, aber Rita und er hatten eine starke spirituelle Verbindung, sie hielt immer zu ihm. Erst nach der Hochzeit konvertierte Bob Marley zum Rastafari und ließ sich die lange Mähne wachsen.“

Im Tuff Gong Musikstudio Bob Marleys in Kingston finden sich alle von ihm produzierten Alben. / Foto: Norbert Eisele-Hein

Reise nach Großbritannien

In Jamaika waren „Bob Marley and the Wailers“ bereits Stars, aber als sie 1971 nach London in Großbritannien gingen, mussten sie sich durchschlagen und litten fürchterlich unter dem anhaltenden Regen und der Kälte. Erst ein Auftritt im Speak Easy Club 1973, wo auch schon Superstars wie Elton John, Jimi Hendrix und die Rolling Stones auftraten, bescherte ihnen internationale Aufmerksamkeit.

Mitte der 1970er-Jahre gab es im Londoner Stadtteil Notting Hill Unruhen. In der explosiven Gemengelage gaben Bob Marley und seine Band 1975 ein legendäres Konzert im Lyceum Theatre. Mit ihrer sozialen und friedlichen Botschaft erlangten sie weltweite Aufmerksamkeit. Die Plattenverkäufe gingen durch die Decke.


Im Culture Yard in Trench Town steht heute noch der alte VW-Tourbus von „Bob Marley and the Wailers“. / Foto: Norbert Eisele-Hein

1976 wurden „Bob Marley and The Wailers“ vom Rolling Stone Magazin zur erfolgreichsten Band des Jahres gekürt. Es regnete Auszeichnungen und Ehrungen. Die Tourneen in Japan, Australien und den USA waren ausverkauft. Reggae eroberte die Welt. Auf dem Zenit seines Erfolgs wusste Bob Marley bereits, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Eine scheinbar harmlose Verletzung am Zeh, die er sich beim Fußballspielen zugezogen hatte, als er in einen rostigen Nagel trat, hatte bösartigen Hautkrebs ausgelöst, der im ganzen Körper Metastasen bildete. Er starb am 11. Mai 1981 mit nur 36 Jahren im amerikanischen Miami.

Bob Marley wurde in Nine Mile, einem kleinen Ort im Landesinneren von Jamaika, beigesetzt. Der damalige jamaikanische Premierminister Edward Seaga hielt eine vielbeachtete Rede am Grab: „Bob Marleys Botschaft war der Protest gegen Ungerechtigkeit, Trost für die Unterdrückten, die Suche nach Frieden und der Schrei nach Hoffnung.“ In seiner Krypta wurden auch seine Gibson Les Paul-Gitarre, ein Fußball, eine Cannabis-Zigarette und eine Bibel abgelegt. Für Tourguide Susan Maxwell ist er ohnehin unsterblich, denn „Millionen Fans hören noch heute täglich seine hypnotischen Reggae-Rhythmen.“

Norbert Eisele-Hein nahm den Rhythmus von Jamaika auf


Informationen zum Urlaub in Jamaika gibt es unter visitjamaica.com. Verschiedene Veranstalter bieten Touren zu den Wirkungsstätten von Reggae-Ikone Bob Marley an. Informationen zum Museum gibt es unter bobmarleymuseum.com.

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