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Unterwegs

Ein blauer Kamm mit vier Zinken: Abenteuer in der Böhmischen Schweiz

Sächsische Lotto-GmbH
04.04.2026
7 Minuten
Aussichtspavillon auf einem Felsen in der Böhmischen Schweiz mit Blick über den dichten Wald
Foto: Von der Wilhelminenwand haben Wandernde einen fantastischen Blick zum Marienfelsen. / Foto: Dagmar Krappe

Es ist ein echtes Erlebnis, das zwischen spektakulären Felsformationen auf Höhen mit malerischen Ausblicken führt: 100 Kilometer erstreckt sich der Kammweg durch die Böhmische Schweiz. Die steilen Gipfel und tiefen Schluchten zwischen Erzgebirge und Lausitzer Gebirge erfordern Wandererfahrung und Kondition.

Ein blauer Kamm mit vier Zinken als Streckenmarkierung? Die Idee entstand 1902, als sich der „Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen“ und drei weitere Tourismusorganisationen aus den angrenzenden Regionen trafen und den „Kammweg“ ins Leben riefen. 60 Kilometer war dieser damals lang. Die Zacken repräsentierten die vier Vereine. „Der Weg fand Anklang. In den Folgejahren wurde er nach Ost und West in andere Gegenden erweitert. 1935 hatte er eine Ausdehnung von 1.200 Kilometern“, erzählt Wanderführer Sven Czastka: „Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand der blaue Kamm von den Wegweisern. Doch inzwischen wurde der „Hřebenovka“ wiederbelebt. Er ist keine Kopie der historischen Route, sondern den heutigen Gegebenheiten angepasst.“ Der 100 Kilometer lange Abschnitt durch die Böhmische Schweiz ist in sechs Etappen zwischen elf und 23 Kilometern Länge unterteilt.


Der Kammweg ist mit einem blauen Kamm mit vier Zinken gekennzeichnet. Diese Idee entstand bereits 1902. / Foto: Dagmar Krappe

Beeindruckende Bauten

Die Wanderung startet an den südwestlichen Ausläufern des Elbsandsteingebirges am linken Elbufer, unweit der deutsch-tschechischen Grenze. Hier führt der Pfad mitten durch die Großen und Kleinen Tyssaer Wände, eine Felsenstadt mit bizarren Sandsteinformationen. Das nächste Ziel ist der mit 723 Metern höchste Tafelberg des Landstrichs, der „Hohe Schneeberg“ (Děčínský Sněžník). Seit 1864 steht auf dem Plateau ein Aussichtsturm. Franz Anton von Thun und Hohenstein, der Eigentümer des nahegelegenen Schlosses Děčín finanzierte ihn, um geographische Messungen durchführen zu lassen.

Der Morgen der nächsten Etappe beginnt mit einem Schnellrundgang durch Děčín. Die Elbe teilt die Stadt in zwei Hälften. Anfangs diente eine Burg zur Überwachung des Flusses. Später erfolgte der Umbau zum Renaissanceschloss. „Ab 1628 gehörten das Schloss und die Herrschaft Děčín 300 Jahre lang dem Habsburger Adelsgeschlecht „von Thun und Hohenstein“. In dieser Zeit erhielt der Bau sein barock-klassizistisches Aussehen“, informiert Sven Czastka: „1932 musste die Familie das Gebäude aus finanziellen Gründen an den Staat verkaufen.“


Schloss Děčín thront auf einem 50 Meter hohen Felsen über der Elbe. / Foto: Dagmar Krappe

Aufstieg zum Wahrzeichen

Über den Quaderberg führt der Kammweg anschließend aus der Stadt hinaus. Steil und glitschig ist der Abstieg zum Flüsschen Kamnitz (Kamenice), das die Edmunds- und Wilde Klamm durchfließt. „Die Erschließung dieser Schluchten Ende des 19. Jahrhunderts ist Fürst Edmund Moritz von Clary und Aldringen, dem das Gelände gehörte, zu verdanken“, sagt der Wanderführer: „Er beauftragte italienische Fachleute mit den Arbeiten, die Erfahrungen im Eisenbahntunnelbau hatten. Sie sprengten Durchgänge in die Felsen und errichteten Stauwehre.“ Es warten Stufen, Stufen und noch mehr Stufen – so gestaltet sich der Aufstieg zum Prebischtor, einem Wahrzeichen des Nationalparks Böhmische Schweiz. „Dass das mächtige Tor noch nicht zusammengebrochen ist, liegt daran, dass es aus zwei eigenständigen Felsen besteht. Der Bogen ist deshalb nicht so großer Spannung ausgesetzt“, erläutert Sven Czastka: „Rund 200 Jahre lang konnten Besucherinnen und Besucher über ihn spazieren. Das tat dem Sandstein nicht gut. Seit 1982 ist dies nicht mehr möglich.“


Hin und wieder finden sich auf der Wanderung für die Region typische Umgebindehäuser wie hier in Doubice (Daubitz). / Foto: Dagmar Krappe

In Dittersbach (Jetřichovice) leuchten einige farbenfrohe Umgebindehäuser, eine besondere Art von Fachwerkhaus, bei dem die Stube als eigenständiger Blockbau ausgeführt ist und von einem äußeren Holztragwerk umschlossen wird. Noch interessanter ist die Fernsicht von den „Dittersbacher Wänden“. In diesem Gebiet hatte Fürst Rudolf Kinsky das Sagen und ließ es touristisch erschließen. 1820 eroberte der junge, sportliche Adlige den zerklüfteten „Hohen Stein“. Seitdem trägt der Fels die Bezeichnung „Rudolfstein“. Die Wandergruppen machen es ihm nach. Schritt für Schritt, hoch und runter. Auf- und Abstieg erfordern Trittsicherheit und Kondition. Geschafft! Weiter geht es zur „Wilhelminenwand“. Zu Ehren seiner Ehefrau ließ Fürst Rudolf die ehemalige „Schwarze Wand“ umbenennen. Am Horizont zeigen sich grüne Wälder, Gipfel und Hügel des Böhmischen Mittelgebirges. Der knapp 620 Meter hohe „Rosenberg“, der „Děčíner Fudschijama“, ist vulkanischen Ursprungs.


Die Wilhelminenwand bei Jetřichovice (Dittersbach) wurde nach der Ehefrau des Fürsten Rudolf Kinsky benannt. / Foto: Dagmar Krappe

Am fünften Wandertag führt der Kammweg am plätschernden Kreibitzbach entlang durch den Paulinengrund. Hier befand sich einst eine Spinnerei und Garnfabrik. Pauline Müller, die Gattin des Inhabers, liebte es, im Tal spazieren zu gehen. So kam es zu seinem Namen. Am Schluss dieser Etappe ist das östliche Ende der Böhmischen Schweiz erreicht. Im Brauhaus Falkenstejn am Marktplatz in Schönlinde (Krásná Lípa) gibt es noch einen Abschiedstrunk. Anschließend ist es Zeit, die Beine hochzulegen und sich eine Verschnaufpause zu gönnen. Statt zu Fuß geht es zurück mit dem Zug. Die Regionalbahn benötigt nicht einmal eineinhalb Stunden bis Děčín, dem Ausgangspunkt der Wanderung auf dem Kammweg.

Dagmar Krappe ging auf Wanderschaft

Informationen zur Region bietet die Tschechische Zentrale für Tourismus (Czech Tourism), die diese Reise unterstützt hat, unter visitczechia.com.

Alles zum Wandern auf dem Kammweg gibt es unter hrebenovka.com. Dort kann auch eine Karte zum Streckenverlauf mit Wegbeschreibung auf Deutsch heruntergeladen werden.

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