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Interviews

Glück auf den ersten Griff: Wie ein Waisenkind LOTTO-Geschichte schrieb

Sächsische Lotto-GmbH
22.08.2026
5 Minuten
Elvira Hahn hält ein historisches Foto der ersten Lottoziehung 1955 in den Händen – sie war als Waisenkind die erste Lottofee.
Foto: Deutschlands erste Lottofee: Erinnerungen an den Tag, der ihr Leben verändert, hebt Elvira Hahn bis heute auf. / Foto: Lotto Hessen

An einem Sonntag im Oktober 1955 feierte das Spiel mit den 49 Zahlen Premiere: Im Hamburger Hotel Mau begann die Geschichte von LOTTO 6aus49. Die erste Kugel zog die 12-jährige Elvira Hahn. Kurz vor ihrem 83. Geburtstag erinnert sie sich an den Tag, der ihr bis heute in bester Erinnerung ist.

Den 9. Oktober 1955 wird sie nie vergessen. Wie aus der Pistole geschossen antwortet Elvira Hahn auf die Frage, wann die erste Ziehung der Lottozahlen stattgefunden hat. Dieser Tag damals in Hamburg war für sie ein aufregender – und ganz besonderer. Als Waisenkind von gerade zwölf Jahren durfte sie die erste Kugel ziehen: ausgerechnet eine 13. „Sie hat mir Glück gebracht.“

Vom Heimkind zur Lottofee

Mit Glück war Elvira bis dahin nicht gerade gesegnet. Drei Jahre davor war sie ins Heim gekommen, nach dem Tod ihrer Eltern und einer „schrecklichen Kindheit“. Dort gab es Sicherheit, ein eigenes Bett und regelmäßige Mahlzeiten. Aber keine Liebe und kaum Aufmerksamkeit. Zumindest letzteres änderte sich schlagartig mit den Lottoziehungen. Plötzlich stand sie im Rampenlicht, damals noch nicht im Fernsehen, das kam erst später, aber umringt von Fotografen, einem Notar, einer Protokollführerin, einer Dame, die prüfte, ob sie ordentlich aussah, und unter den Blicken von 40 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Ein Taxi, Kakao und Kuchen

„Ich habe das genossen“, erzählt die heute 82-Jährige, die Mitte August ihren 83. Geburtstag feiert. Auch das Drumherum habe ihr gefallen. Sie wurde mit dem Taxi abgeholt – „ich wusste nicht mal, wie ein Taxi aussieht, geschweige denn, dass ich schon in einem gesessen hätte.“ Die anderen Heimkinder, die vom Fenster aus alles beobachteten, seien schon ein bisschen neidisch gewesen. Auch deshalb: Vor der Ziehung, die in einem Hotel in der Hamburger Innenstadt stattfand, gab es Kakao und Kuchen, eine absolute Köstlichkeit für Elvira.

Ein Jahr voller Ziehungen

Dass zwei Waisenkinder die Kugeln ziehen durften – neben Elvira gab es noch ein zweites Mädchen namens Christa – war kein Zufall. Sie galten damals als ehrlich und unbeeinflussbar. Und sollten im Beisein von Ziehungsleiter und Notar Vertrauen in einen fairen Ablauf schaffen. An jenem denkwürdigen Nachmittag zog Elvira noch die 3, 12, 16, 23 und 41, bevor sie mit dem Taxi wieder zurück ins Heim fuhr. Dort warteten die anderen Mädchen, aufgeregt wollten sie alles haarklein über dieses „große Erlebnis“ erfahren. „Fünf Mark gab es dafür, die bekam der Heimleiter.“ So ging das ein ganzes Jahr lang, bis sich das Format änderte. An einem Sonntag wurde Elvira mit dem Taxi abgeholt, am anderen Christa.


Am 9. Oktober 1955 zog das 12-jährige Waisenmädchen die erste Lottozahl. / Foto: Lotto Hessen

Dankbares Gewinner-Paar

Eines Tages meldete sich ein Ehepaar aus Reit im Winkel, das 1,6 Millionen Mark gewonnen hatte – durch Elviras glückliches Händchen. Sie wollten ihr etwas davon abgeben und legten ein Sparbuch über 1.000 Mark an, das sie bei Volljährigkeit mit 21 samt Zins und Zinseszins ausgehändigt bekam. „Das war unglaublich viel Geld damals, erst recht für ein Heimkind.“ Das Geld nutzte sie, um einen Hausstand mit ihrem jungen Ehemann zu gründen.

Optimistin bis heute

Einen weiteren unerwarteten Geldsegen gab es nicht in Elvira Hahns Leben, sondern viel Arbeit und einige Schicksalsschläge. Sie verlor zwei Ehemänner und musste sich mit ihren zwei Söhnen – auch finanziell – allein durchs Leben schlagen. Nach einer Friseurlehre und vielen Jahren in diesem Beruf, „ich konnte das damals nicht frei wählen“, machte sie noch eine Ausbildung zur Erzieherin, ihr Wunschberuf. Den übte sie bis zur Rente mit großer Freude aus. Überhaupt hat sie nie ihre Zuversicht verloren und aus jeder Situation stets das Beste gemacht. „So bin ich einfach, eine Optimistin.“


Heute lebt Elvira Hahn in der Nähe von Darmstadt und engagiert sich unter anderem als Lese-Oma. / Foto: Lotto Hessen

„Ich fühlte mich erwählt“

Heute lebt Elvira Hahn in der Nähe von Darmstadt, der Beruf ihres ersten Mannes hatte sie ins Rhein-Main-Gebiet gebracht. Sie engagiert sich im örtlichen Pflegeheim und ist Lese-Oma im Kindergarten – mit enormer Tatkraft und viel Leidenschaft. Soziales Engagement ist ihr wichtig. Die Aufgabe als erste „Lottofee“ hat ihr vielleicht keinen größeren Reichtum eingebracht. Dafür aber schenkten ihr die Lottoziehungen etwas, das sie bis heute begleitet: Selbstvertrauen. „Für mich war das ein Glücksfall, denn ich fühlte mich erwählt. Die Auftritte haben mich verändert.“

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