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Sport

Para-Radsport: Leo Heidls Weg zu den Paralympics 2028

Robert Strehler
14.08.2026
7 Minuten
Leo auf seinem Zeitfahrrad
Foto: Leo auf seinem Zeitfahrrad / Copyright WE RIDE GMBH

Ein schwerer Sturz mit dem Mountainbike hat ihn fast alles gekostet. Nun möchte er zu den olympischen Paralympics nach Los Angeles und mit dem Rennrad nach einer Medaille greifen. Die WE RIDE LEIPZIG Redaktion hat Leo Heidl getroffen und einen inspirierenden jungen Mann kennengelernt!

Das Fahrrad war schon immer mein Zuhause

Ich glaube, ich konnte Laufrad fahren, bevor ich überhaupt richtig laufen konnte. Das Fahrrad begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Angefangen hat alles mit BMX und Downhill. Genau dort habe ich mich zuhause gefühlt. Geschwindigkeit, Sprünge, technische Strecken – das war meine Welt. Bis 2021.

Ein Sturz, der alles veränderte

Bei einem Sturz kugelte mir die Hüfte aus. Dabei wurden Nerven so stark beschädigt, dass ich bis heute unterhalb des linken Knies kein Gefühl mehr habe. Die Muskulatur hat sich deutlich zurückgebildet, die Hüfte ist instabil und vieles, was vorher selbstverständlich war, musste ich komplett neu lernen. Nach außen sieht man das oft gar nicht. Beim Gehen zieht das linke Bein etwas hinterher. Auf dem Rad gleiche ich vieles über den Oberschenkel, die Wirbelsäule und Bewegungen auf dem Sattel aus. Einen wirklich runden Tritt bekomme ich links bis heute nicht hin. Damals dachte ich allerdings gar nicht so weit.

Direkt nach dem Sturz lag ich da und dachte nur: "Doof. Nächste Woche ist Rennen." Schlüsselbein gebrochen – sechs Wochen. Oberschenkel verletzt – sechs Wochen. Dann fährst du eben wieder Fahrrad. Erst als ich merkte, dass immer weniger Gefühl im Bein zurückkam, wurde mir langsam klar, dass da deutlich mehr passiert war.

Der lange Weg zurück

Danach war erst einmal lange nichts. Es war eine schwierige Zeit. Fahrradfahren spielte plötzlich keine Rolle mehr und mir ging es psychisch überhaupt nicht gut. Trotzdem war dieser kleine Funke nie ganz verschwunden. Ich arbeitete weiterhin irgendwie in der Fahrradbranche und merkte, dass ich das Thema einfach nicht loslassen konnte. Irgendwann sagte mein Teamleiter zu mir:

"Probier es doch einfach noch einmal. Es muss ja nicht wieder Mountainbike sein."


Also habe ich es gemacht. Erst eine kleine Runde. Dann fünfzig Kilometer. Dann hundert. Zwei Wochen später stand schon wieder ein Fahrrad bei mir. Es fühlte sich an, als hätte ich nie aufgehört. Nicht wie eine Rückkehr, sondern wie der Beginn eines neuen Kapitels. Neue Luft. Neue Freiheit. Fast so, als würde man zum ersten Mal fliegen. Eigentlich wollte ich nur wieder aus Spaß Rad fahren. Ohne Leistungsdruck. Aber der Rennfahrer in mir war offenbar nie verschwunden.

2024 fuhr ich mein erstes Gravel-Rennen beim #Heide Gravel. Dank meiner Downhill-Erfahrung wurde ich direkt Zehnter – praktisch ohne spezielles Training. Da wusste ich: Da geht noch mehr. Also suchte ich mir einen Trainer. 2025 trainierte ich plötzlich zwanzig Stunden pro Woche, arbeitete mich Stück für Stück nach vorne und merkte, dass ich sportlich viel mehr erreichen könnte. Gleichzeitig verlor ich meinen Job. Einerseits bedeutete das mehr Zeit fürs Training, andererseits musste ich mir überlegen, wie sich Leistungssport überhaupt finanzieren lässt. Sponsoren, Unterstützung und ein Arbeitgeber, der diesen Weg mitträgt, sind bis heute ein großes Thema.

Die Entdeckung des Para-Radsports

Lange wusste ich gar nicht, dass der Para-Radsport für mich überhaupt infrage kommt. Ich dachte immer, Paralympics seien nur etwas für blinde Sportler oder Rollstuhlfahrer. Erst meine Mutter sagte irgendwann: "Schau dir das doch einfach mal an." Also tauchte ich tief in diese Welt ein. Heute starte ich in der Klasse C5 und trainiere am paralympischen Stützpunkt in Cottbus. Dort fahren ehemalige Profis, internationale Spitzenathleten und Menschen, die trotz ihrer Verletzungen unglaubliche Leistungen bringen. Da wird richtig Radrennen gefahren.

Der Traum von Los Angeles

Ich habe gelernt, zwischen Träumen und Zielen zu unterscheiden. Mein Traum sind die Paralympics 2028 in Los Angeles. Ziele sind dagegen Dinge, die ich Schritt für Schritt erreichen kann: einmal unter die Top Ten eines Weltcups fahren, in den Nationalkader kommen, mir einen Namen im Para-Radsport aufbauen. Das Fahrrad bedeutet für mich heute allerdings weit mehr als Medaillen oder Ergebnisse. Es ist mein ständiger Begleiter. In guten Zeiten genauso wie in schlechten. Ich habe andere Sportarten ausprobiert, aber nirgendwo hatte ich diese Verbindung.

Für andere ist es vielleicht nur ein Fahrrad mit neuen Bremsscheiben oder schönen Laufrädern. Für mich ist es etwas Persönliches. Man kommt nach Hause, schaut sein Rad an und denkt: Ja, das ist meins.


Was mich manchmal beschäftigt, ist die geringe Aufmerksamkeit für den Para-Sport. Wir sprechen viel über Inklusion und Vielfalt. Trotzdem kennen viele Menschen den Para-Radsport kaum. Dabei gibt es großartige Rennen, beeindruckende Athletinnen und Athleten und unglaublich viel Leistung. Oft fahre ich bei Jedermann-Rennen mit. Im Ziel sagen die Leute dann: "Was trittst du denn für Watt? Wahnsinn!" Und wenn ich erzähle, dass ich zu 30 Prozent schwerbehindert bin, schauen sie mich völlig ungläubig an.

Das Fahrrad gab ihm seine Freiheit zurück

Genau deshalb wünsche ich mir, dass der Sport sichtbarer wird. Ich möchte zeigen, dass eine Behinderung nicht das Ende einer Leidenschaft sein muss. Vielleicht führt mich dieser Weg irgendwann tatsächlich nach Los Angeles. Aber selbst wenn nicht: Das Fahrrad hat mir etwas zurückgegeben, das ich nach meinem Unfall verloren glaubte – Freiheit. Und genau dafür werde ich ihm immer dankbar sein.



Robert Strehler

Robert Strehler

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