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Ratgeber

Glückssuche: So finden wir unsere verborgenen Diamanten

Sächsische Lotto-GmbH
20.02.2026
10 Minuten
Frau sitzt mit einer Tasse Kaffee in der Sonne auf einem belebten Platz und genießt den Moment.
Foto: Kleine positive Augenblicke wie eine Pause in der Sonne bewusst wahrzunehmen, kann das Wohlbefinden nachhaltig stärken. / Foto: shutterstock

Innerlich jung bleiben und die eigenen Stärken als wertvollen Schatz erkennen: So lauten die Empfehlungen des Glücksexperten Sebastian Otte. Im Interview beschreibt der systemische Coach und Trainer der Positiven Psychologie, wie wir auch in herausfordernden Zeiten unsere Zuversicht behalten und positive Moment bewusster erleben können.

Herr Otte, Sie sagen: „Jeder Mensch ist ein Bergwerk, reich an Diamanten.“ Was meinen Sie damit konkret?

Viele Menschen definieren sich primär über Defizite: Was fehlt mir? Wo bin ich nicht gut genug? Das Bild des Bergwerks steht für eine andere Sichtweise. Jeder Mensch bringt individuelle Stärken, Werte, Erfahrungen und Potenziale mit – oft unentdeckt oder unterschätzt.

Ich komme aus einer Region, in der lange Zeit Kohle gefördert wurde. Im Ruhrgebiet war das Bergwerk ein Ort harter Arbeit, aber auch ein Symbol dafür, dass unter der Oberfläche etwas Wertvolles liegt. Diese Metapher übertrage ich bewusst auf den Menschen. Mein Anliegen ist es, meinen Teil dazu beizutragen, dass wir heute nicht mehr nur nach Defiziten graben, sondern nach den Stärken, die jeden Menschen so besonders machen.

Sie beschreiben Glück nicht als Zufall, sondern als erlernbare Fähigkeit. Was bedeutet das konkret – und wie können wir Glück tatsächlich trainieren?

Wenn ich sage, dass Glück eine erlernbare Fähigkeit ist, meine ich nicht, dass jeder Mensch unter allen Umständen gleichermaßen für sein Glück verantwortlich ist. Die Forschung zeigt sehr klar, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Leben starten. In der Positiven Psychologie wird häufig darauf verwiesen, dass Wohlbefinden von mehreren Faktoren geprägt ist: relativ stabilen Dispositionen, Lebensumständen und einem Teil, den wir durch unser Verhalten beeinflussen können.

Gleichzeitig geht es beim Trainieren von Glück nicht um Daueroptimismus. Trainierbar sind nicht Glücksgefühle an sich, sondern Kompetenzen. Ein Beispiel ist der bewusste Umgang mit den eigenen Stärken. Konkret heißt das: zu wissen, worin ich gut bin, und diese Stärken gezielt im Alltag einzusetzen. Forschung zur Stärkenorientierung, unter anderem von Christopher Peterson und Martin Seligman, zeigt, dass dieses bewusste Handeln Selbstwirksamkeit und Sinn fördert – und damit nachhaltiger wirkt als ein ständiger Fokus auf Defizite.

Nicht jeder schmiedet sein Glück selbst. Aber viele können lernen, bewusster mit ihren Möglichkeiten und Grenzen umzugehen.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen echtem Wohlbefinden und oberflächlicher Positivität?

Oberflächliche Positivität versucht, das Negative zu vermeiden oder zu überdecken. Echtes Wohlbefinden schließt schwierige Gefühle ausdrücklich mit ein. Es geht nicht darum, immer glücklich zu sein, sondern stimmig mit dem eigenen Erleben umzugehen.

Die Positive Psychologie hat sich in den letzten Jahren bewusst von der Idee des „Dauer-Positiv-Seins“ entfernt. Heute wissen wir aus der Forschung, dass Wohlbefinden häufig dort entsteht, wo Menschen lernen, ihre Emotionen genauer wahrzunehmen und zu benennen. Wer nicht nur zwischen „gut“ und „schlecht“ unterscheidet, sondern emotionale Nuancen erkennt, kann Gefühle besser regulieren und angemessener auf Belastungen reagieren.

Diese Fähigkeit der Emotionsdifferenzierung ist für viele Menschen ein Weg zu mehr Stabilität – nicht etwas, das erst möglich wird, wenn es ihnen ohnehin gut geht. Wohlbefinden zeigt sich dabei oft in kleinen, realistischen Entwicklungsschritten. Psychologisch kann schon der Schritt von einer Zwei auf eine Drei auf einer Zehner-Skala entlastend wirken. Wer akzeptiert, dass es gerade schwierig ist, und dennoch einen kleinen Spielraum nach oben erkennt, erlebt häufig mehr Selbstmitgefühl und Halt als jemand, der sich zu Positivität zwingt. In diesem Sinne ist echtes Wohlbefinden weniger ein Zielzustand als eine gesunde Entwicklungsrichtung.

Sie betonen, dass Sinn ein zentraler Faktor für Glück ist. Wie lässt sich Sinn finden. gerade in einer Arbeitswelt, die sich rasant verändert?

Sinn ist nichts, das wir irgendwo finden. Er entsteht im Alltag, im Zusammenspiel von Beitrag, Bedeutung und Zugehörigkeit. Die entscheidende Frage lautet nicht: „Was ist der große Sinn meines Lebens?“, sondern: „Wem oder was diene ich mit dem, was ich heute konkret tue?“

In der Positiven Psychologie gilt Sinn, etwa bei Seligman, als zentrale Dimension von Wohlbefinden. Menschen erleben ihn besonders dann, wenn sie die Wirkung ihres Handelns erkennen. Sinn kann ich sehr unmittelbar erfahren, zum Beispiel als Ärztin, Krankenpfleger oder Naturschützerin. Dort ist der Mehrwert der eigenen Tätigkeit oft direkt sichtbar. Ich habe aber auch erlebt, wie es Führungskräften einer Scan-Abteilung gelungen ist, diese Bedeutsamkeit für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar zu machen – indem sie sichtbar gemacht haben, welchen Unterschied deren Arbeit für andere Bereiche und Menschen bedeutet.

Wir alle leisten irgendwo einen Mehrwert für andere. Und genau darin liegt eine große Chance: Wenn wir diesen Beitrag erkennen und benennen, können wir auch in sehr unterschiedlichen Berufen Sinn in unserer Arbeit erleben.

Sie haben Ihren beruflichen Ursprung im Innovations- und Organisationsmanagement. Wie kam der Wendepunkt, an dem Sie sagten: Ich will mich dem Thema Glück widmen?

Der Wendepunkt war weniger ein einzelnes Ereignis als eine wachsende Irritation. Ich habe viele Organisationen erlebt, die strategisch hervorragend aufgestellt waren, aber innerlich erschöpft wirkten: hohe Effizienz, klare Prozesse – und gleichzeitig Sinnkrisen, Überforderung und innere Kündigung. Als ich mich intensiver mit der Positiven Psychologie beschäftigte, hatte ich das Gefühl, ein fehlendes Puzzleteil gefunden zu haben: eine wissenschaftlich fundierte Perspektive, die Leistung, Menschlichkeit und Sinn integriert.

Viele Menschen fühlen sich heutzutage erschöpft, getrieben, überfordert. Was sind aus Ihrer Sicht die ersten Schritte, um aus dieser Spirale herauszukommen?

Der erste Schritt ist oft kein weiterer Optimierungsversuch, sondern ein bewusstes Innehalten. Viele Menschen sind so sehr im Funktionieren, dass sie die kleinen Momente übersehen, die ihnen eigentlich Kraft geben könnten. Die Forschung zeigt, unter anderem in Studien zur Achtsamkeit und Emotionsregulation, dass Wohlbefinden nicht nur durch große Veränderungen entsteht, sondern durch die bewusste Wahrnehmung positiver Momente im Alltag.

Ein Sonnenstrahl, der erste Kaffee am Morgen, eine kurze Umarmung: All das kann stärkend wirken, wenn wir es wirklich wahrnehmen. Das ist keine Verharmlosung von Belastung, sondern eine realistische Form von Selbstfürsorge. Gerade in schwierigen Zeiten kann diese bewusste Wahrnehmung ein erster Schritt sein, um wieder in Kontakt mit der eigenen Energie zu kommen.

Zum Schluss: Was macht Sie persönlich glücklich?

Es gibt ein Lied, das meine Vorstellung eines glücklichen Lebens ziemlich gut zusammenfasst: „Für immer jung“ von Wolfgang Ambros. In diesem Lied spricht er genau die Kernpunkte an, die die Positive Psychologie einem gelingenden Leben zuschreibt. Und das bedeutet für mich Glück. Was mich daran berührt, ist weniger die Musik als die Haltung, die darin steckt.

Wenn Ambros davon singt, „nie aufzuhören zu lernen“, höre ich darin sehr deutlich das, was Carol Dweck als Growth Mindset beschreibt: die Überzeugung, dass Entwicklung möglich ist, unabhängig vom Alter. Wenn Ambros von Selbstvertrauen, Verzeihen, Liebe und Begeisterung singt, finde ich darin zentrale Erkenntnisse aus der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan oder aus der Harvard Study of Adult Development unter Leitung von Robert Waldinger. Diese Studie zeigt, wie entscheidend tragfähige Beziehungen für ein gutes Leben sind.

Mich macht es glücklich, diese Haltung im eigenen Leben zu pflegen: neugierig zu bleiben, mich weiterzuentwickeln, Beziehungen ernst zu nehmen und mich für das zu begeistern, was ich tue. Nicht immer, nicht perfekt – aber mit einer gewissen inneren Offenheit. Oder, um es mit Ambros zu sagen: innerlich jung zu sein.

Über den Autor:

Oliver Schönfeld schreibt als Kolumnist für den Glücksblog auf eurojackpot.spiegel.de

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