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Allerlei

Menschen aus Rheinland-Pfalz: Der Lebensläufer

Sächsische Lotto-GmbH
06.05.2026
7 Minuten
Älterer Läufer mit Startnummer 437 und blauem Shirt läuft auf einem Waldweg
Foto: Immer mit einem Lachen: Am 14. September 2019 startet Ludwig Mesel beim Rietburg-Berglauf in Edenkoben. / Foto: Henning Schneehage

Mit Anfang 40 beginnt der Winzer Ludwig Mesel zu laufen – auf Rat seines Arztes. Daraus wird eine Leidenschaft, die sein Leben verändert. Heute ist er 90 Jahre alt. Und noch immer jeden Morgen in und um Bad Dürkheim unterwegs.

Ludwig Mesel packt einige Flaschen Wein in einen großen Pappkarton und klebt ihn sorgfältig zu. „Ich habe keine Probleme – ich habe schon mein Leben lang mit Flaschen zu tun“, sagt er und lacht herzlich. Der 90-jährige Winzer hat viel Humor. Und eine Leidenschaft: das Laufen. Jeden Morgen um fünf Uhr verlässt er das Haus und dreht eine Runde durch die Weinberge rund um Bad Dürkheim. „Ich brauche das“, sagt er und steigt leichtfüßig die steile Treppe hinauf in den großzügigen Wohnbereich. Dort wartet seine Frau Christa. Seit 65 Jahren sind die beiden verheiratet und haben fünf Kinder großgezogen. Sie hat ihm immer den Rücken freigehalten, wenn er zum nächsten Abenteuer aufgebrochen ist. „Der Laden und alles mussten ja weiterlaufen“, sagt sie bescheiden.

Ein Hang zu Bergläufen

Bergläufe sind die Spezialität des sympathischen Pfälzers. „Da ist er immer allen davongerannt und hat fast nur erste Plätze belegt“, erzählt Christa Mesel lächelnd. Dass es einmal so weit kommen würde, hätte am Anfang allerdings niemand gedacht. „Begonnen habe ich mit 42 – in den 70er-Jahren, auf Rat meines Arztes. Ich hatte zu viel auf den Rippen und war einfach zu unbeweglich“, erinnert sich der Winzer. Der Start gestaltete sich allerdings mühsam. Einige Kilo schwerer als heute begann er sein Training auf dem rund zwei Kilometer langen Rundweg am Herzogweiher. „Ich war stolz wie ein Schneekönig, als ich ihn zum ersten Mal ohne Gehpausen geschafft habe.“

Das war wahrscheinlich auch der Moment, in dem ihn das Lauffieber endgültig packte. Mesel trat dem Turnverein bei, gründete mit Gleichgesinnten einen Laufclub und ist von da an kaum noch zu bremsen. 1977 lief er in nur 36:22 Minuten zehn Kilometer und wurde in Schifferstadt Gesamtsechster. Noch im selben Jahr wagte er sich in Rülzheim an seinen ersten Marathon und kam nach 3:17 Stunden ins Ziel. Ein Jahr später steigerte er sich auf 2:55:07 Stunden – seine persönliche Bestzeit.

Bestmarke beim zweiten Marathon

Bis heute wundert ihn diese Leistung. „Beim zweiten Marathon, ohne großes Training, gleich so eine Zeit – unglaublich.“ Später konnte er diese Bestmarke nie mehr unterbieten. Zu den Höhepunkten seiner Laufkarriere gehören neben zahlreichen Marathonläufen auch besondere Erlebnisse rund um den Sport. Ein Staffellauf in acht Etappen führte ihn einst von der Pfalz aus bis zu den Olympischen Spielen nach Barcelona. Die Atmosphäre dort hat er bis heute in Erinnerung. „Ich habe Freddy Mercury und Montserrat Caballé gehört“, erzählt er.

Zu den unvergesslichen Erlebnissen gehört auch ein Marathon in Rom. „So viele Menschen – das war unglaublich“, schwärmt Mesel. Er war damals Anfang 70 und gewann seine Altersklasse. Zunächst bemerkte das jedoch niemand. Erst einige Wochen später erhielt er ein Paket: Darin eine goldene Medaille – die nachträgliche Würdigung für den Sieg. Bis heute bewahrt sie sorgfältig in einem kleinen, schwarzen Kästchen auf.


Eindrucksvolle Sammlung: Über die Jahrzehnte hinweg hat der heute 90-Jährige zahlreiche Medaillen gewonnen. / Foto: Iris-Vanessa Voltmann

Tagebuch der schönsten Erlebnisse

Viele solcher Momente hat Ludwig Mesel über die Jahre festgehalten. Handschriftlich notiert er seine Erlebnisse auf eng beschriebene Blätter, die er später mit Postkarten, Fotos und Dokumenten abheftet. So ist im Lauf der Zeit ein ganz persönliches Archiv entstanden. Auch von seiner 1850 Kilometer langen Wanderung auf dem Jakobsweg im Jahr 2008, die er von Bad Dürkheim aus gemeinsam mit einem Freund unternahm. „Ich finde seinen Bericht besser als den von Hape Kerkeling“, sagt Christa Mesel schmunzelnd.

Nach seiner Ankunft in Santiago de Compostela am 5. Mai 2008 schreibt er beispielsweise: „Mächtige Kathedrale. Jeder zweite Laden ein Café oder eine Wirtschaft. Sehr schwer, sich zu orientieren. Alles gleich.“ Davor schildert er Begegnungen mit Menschen aus vielen Ländern – Pilger aus der Heimat ebenso wie Fremde, die für einige Tage Weggefährten wurden. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein blinder Wanderer, der mit seinem Hund unterwegs war. „Es war eine schöne Zeit“, sagt er in der Nachschau.


Der Pilgerpass: Seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg hat der Bad Dürkheimer sorgfältig aufgeschrieben und archiviert. / Foto: Iris-Vanessa Voltmann

Mit 90 etwas ruhiger

Seinen letzten Halbmarathon lief Ludwig Mesel im Jahr 2022. Seitdem lässt er es etwas ruhiger angehen. Große Bergtouren wie auf die Zugspitze oder Bergrennen in der Schweiz stehen nicht mehr auf dem Programm. „Nicht mehr mit 90“, sagt er und lächelt. Doch ganz ohne Bewegung geht es nicht. Das Sportabzeichen ist ihm in jedem Jahr aufs Neue ein Anliegen. Und morgens um fünf Uhr schnürt Ludwig Mesel seine Sportschuhe und läuft los. Durch die Weinberge und die frische Morgenluft. Nicht mehr für Bestzeiten – sondern einfach, weil das Laufen seit Jahrzehnten zu seinem Leben gehört.

Iris-Vanessa Voltmann hat Ludwig Mesel besucht

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